Zeitungsstapel

Tectum in der Presse

Aktuelle Rezensionen, Interviews und News haben wir hier für Sie zusammengestellt.

News

Dr. Dr. Joachim Kahl im Deutschlandfunk: Humanität ohne Gott – das Weltethos eines Atheisten

Im Gespräch mit Christiane Florin, das am 21. Februar 2022 im Deutschlandfunk ausgestrahlt wurde, erklärt Joachim Kahl, wie er bemerkte, dass er nicht mehr glaubt...

...schon zu Beginn seines Theologiestudiums sei er zum Ungläubigen geworden, habe aber trotzdem in der Theologie promoviert, was nicht ohne Krisen aber im Rahmen der Legalität vonstattenging. Je tiefer er in die Gründe und Abgründe der christlichen Theologie eingedrungen sei, desto schwieriger wurde der Glaube, bis er schließlich so verdünnt war und auch kein Rest mehr übrigblieb, beschreibt der Atheist und damalige Marxist. Atheist ist er noch immer, Kommunist schon lange nicht mehr. Seine Weltanschauung sei der „weltliche Humanismus“.

Mit seinem neuen Buch „Humanismus – Eine Einladung“ lädt er alle ein, die die Einladung annehmen, alle, die in einer unübersichtlichen Welt zu größeren Strukturen von Weisheit gelangen wollen, „jeden nachdenklich gewordenen Menschen“.

Joachim Kahl erklärt auch, dass nur eine Koalition zwischen Glaubenden und nicht Glaubenden die realen Probleme bewältigen könne, man das Bündnis suchen müsse, um menschliche, humanistische Probleme zu lösen. Diese Koalition jedoch kann schwierig werden, denn Joachim Kahl wirft dem Christentum Größenwahn vor. Als Beispiel führt er hier die biblische Verheißung auf, alle Glaubenden seien das befruchtende Element oder auch das Licht der Welt, sie seien vollkommen gleich ihrem Vater im Himmel.

Zwischen dem Selbstanspruch und der Realität herrsche hier eine schreckliche Kluft, die aber nichts genuin Christliches sei. Es handele sich um eine angelegte Option, auf die man jedoch nicht zurückgreifen müsse.

Bald sind weniger als 50% der deutschen Bevölkerung Mitglieder einer der beiden „großen“ Kirchen – ein nüchternerer Blick auf die Wirklichkeit erfolge also, wodurch man jedoch nicht automatisch Humanist werde. Als Humanismus bezeichnet Joachim Kahl die „reife Theorieform einer Weltsicht und eines Menschenbildes, das mit Recht meint, auch ohne Religion die Probleme der Welt zu lösen oder auch ungelöst zu lassen“, eine melancholische Dimension wohne dem Humanismus somit im Hinblick auf nicht lösbare Probleme inne, denn es gebe keine Erlösung von schrecklichen Ereignissen. Aber es solle alles unternommen werden, dass der Mensch sein bestmögliches Leben führen könne und so müsse sich beispielsweise neben die Existenz des Rechtsstaates auch die Gerechtigkeit als zentraler Wert gesellen.

Inwiefern braucht eine Gesellschaft Institutionen, in denen sich Millionen Menschen versammeln können, fragt Journalistin Christiane Florin. Joachim Kahl erklärt, der Individualisierungsschub unserer Gesellschaft sei groß und die organisatorische Kernsubstanz sollte erhalten bleiben, nicht zuletzt für karitative Tätigkeiten.

In seinem Buch benennt Joachim Kahl humanistische Held:innen, im Interview ergänzt er, dass es ihm um zivile und nicht militärische Held:innen gehe, um angenehme Vorbilder, die zeigen, dass es geht, aber ohne Vollkommenheitsanspruch.

Zuletzt stellt sich die Frage: Wie sollen die Menschen leben? Hiermit sind wir laut Joachim Kahl zugleich beim Hauptgeschäft der Philosoph:innen angekommen und die Antwort auf diese Frage würde stets theoretisiert und verkompliziert. Joachim Kahl zitiert an dieser Stelle Erich Kästner: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ Oberste Maxim sei es, niemanden zu verletzten. Hierbei solle man jedoch nicht die christliche Begründung für das eigene Handeln übernehmen, die nämlich darin bestehe, dass gute Menschen belohnt werden und schlechte Menschen im ewigen Höllenfeuer enden. „Ewig“ ist laut Joachim Kahl keine Kategorie für den Menschen. Mit dem Tod sei es vorbei. Die Welt hingegen sei ewig.

Das Interview können Sie hier nachhören.

Coachingforschung bei Tectum

Die neue Schriftenreihe „Beratung, Organisation und Coaching“ startet. Zudem stehen zwei weitere Bücher aus der Coachingforschung des Tectum Verlags auf der Shortlist des Deutschen Verbands für Coaching und Training e.V.

Die neue Buchreihe widmet sich dem Thema der Innovation in prozessorientierter Beratung. Sie stellt dabei beste sowie prämierte Abschlussarbeiten des Masters „Beratung, Organisationsentwicklung und Coaching“ der Hochschule Kempten vor.
Ebenso wird jährlich ein Sammelband zum „Illertisser Schloss-Dialog – Zukunft der Beratung“ herausgegeben. Ziel ist es, innovative Beiträge junger Autor:innen zur Theorieentwicklung und Praxeologie der Beratung zu veröffentlichen. Dabei wird ein großer Wert auf die Aktualität der Themen sowie die Fundiertheit gelegt.

Die Reihe startet mit Band 1 „Vielfalt coachen – Multikulturell, interkulturell, transkulturell“ von Iris Pöll. Band 2 und Band 3 warten mit den Themen „Entwicklung eines neuropsychologisch fundierten Coaching-Konzeptes für persönliche Veränderungsprozesse“ und „Intuition und transrationales Denken aus integraler Perspektive“ auf.

Auch durch Publikationen wie „Frauen, Stress und Digitalisierung 4.0“ von Dr. Tanja Steinberger und Anna Wilde oder „Geduld als Ressource“ von Dr. Bettina Siebert-Blaesing stärkt der Tectum Verlag sein Portfolio im Bereich des Coachings und gibt somit Werkzeuge zur Gesundheitsprävention und Stressbewältigung an die Hand und Empfehlungen zur Gesundheitsförderung im (sozial-) pädagogischen Coaching. Beide Publikationen sind auf der Shortlist „dvct - Coaching- und Trainingsbuch des Jahres“ des Deutschen Verbands für Coaching und Training e.V. platziert.

„Die Coachingforschung ist sehr lebendig, wird immer professioneller und verwissenschaftlicht sich. Der Tectum Verlag als Verlagspartner begleitet diesen Prozess publizistisch und bietet diesem noch recht jungen Forschungsfeld eine Plattform.“, erklärt Lektorin Sarah Bellersheim.

50 Jahre Grenzen des Wachstums

Vorträge von Tectum Autor Norbert Nicoll

 

2.3.2022, 18 Uhr, Aachen - Burg Frankenberg, Bürgerstiftung Aachen

Thema: 50 Jahre Grenzen des Wachstums

Goffartstraße 45, 52066 Aachen

https://www.buergerstiftung-aachen.de/aktuelles/termine/a/n/d/50-jahre-grenzen-des-wachstums-1.html

https://burgfrankenberg.de/

 

6.3.2022, 10.30 Uhr, Eupen (Belgien) - Parlament der DG

Thema: 50 Jahre Grenzen des Wachstums

Platz des Parlaments 1, 4700 Eupen (Belgien)

Infos im Anhang

www.pdg.be

 

Norber Nicoll hat im Tectum bisher veröffentlicht: "Adieu, Wachstum! - Das Ende einer Erfolgsgeschichte", "Gut leben ohne Wachstum - Eine Einladung zur Degrowth-Debatte" und "Die ökonomische Rationalität in die Öffentlichkeit tragen - Zur Arbeit und Wirkungsweise der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (2000-2006)".

Interviews

Im Gespräch mit Paula Tuschling

Wir haben uns mit unserer Autorin Paula Tuschling über ihre neue Publikation "Antisemitimsus in der AfD" unterhalten

In Ihrer Arbeit „Antisemitismus in der AfD“ gehen Sie der Frage nach, wie sich Antisemitismus in einer rechtspopulistischen Partei manifestiert. Lässt sich anhand von Beispielen erklären, wie sich Antisemitismus in der AfD manifestiert?

Die AfD vertritt als Gesamtpartei in ihrer programmatischen Ausrichtung erstmal keinen offenen Antisemitismus, allerdings fällt die Partei seit ihrer Gründung immer wieder durch die antisemitischen Äußerungen vieler AfD-Politiker:innen auf. Antisemitismus lässt sich auch in anderen Parteien beobachten, in der AfD tritt er aber in überdurchschnittlicher Häufigkeit und Kontinuität auf.

Wie äußert sich der Antisemitismus in der Rhetorik der AfD?

Meist werden zunächst geschichtsrevisionistischen Forderungen artikuliert, die eine Schlussstrichmentalität sowie eine Erinnerungs- und Schuldabwehr in Bezug auf die NS-Zeit propagieren und damit dem Post-Holocaust Antisemitismus entsprechen. Diese sekundäre Form des Antisemitismus, die eine ablehnende Haltung gegenüber Jüdinnen und Juden „nicht trotz, sondern wegen Auschwitz“ (Broder 1986) umfasst, kommt innerhalb der AfD und ihrer Wählerschaft am häufigsten zum Ausdruck.

Viele rechtspopulistische Parteien in Europa inszenieren eine positive Bezugnahme auf Israel. Lässt sich dies auch innerhalb der AfD beobachten?

Einige AfD-Politiker:innen zeigen sich solidarisch mit Israel, verklären den Staat als „Bollwerk gegen den Islamismus“ und befürworten die Gründung der Gruppe „Juden in der AfD“. Diese Haltung wird allerdings nicht von allen in der AfD geteilt und spiegelt das ambivalente Bild der Partei wider. Gleichzeitig bemüht sich die AfD aber geschlossen den Antisemitismus in den eigenen Reihen zu marginalisieren und in schuldabwehrender Zuschreibung an andere Gruppen zu externalisieren. So werden durch das Zusammenspiel letztlich nicht nur Jüdinnen und Juden oder der Staat Israel, sondern auch der Antisemitismus selbst von einigen AfD-Politiker:innen instrumentalisiert, um die eigenen antimuslimischen und rassistischen Positionen zu legitimieren.

In welchem Verhältnis steht der Rechtspopulismus der AfD zum Antisemitismus?

Der Antisemitismus manifestiert sich gewissermaßen im Rechtspopulismus selbst, der bei der AfD u.a. eine weitere ideologische Ausgestaltung durch den völkischen Nationalismus erfährt. Die AfD bedient durch ihre populistische Inszenierung als einzige Partei, die die „wahren Interessen des Volkes“ gegen „das Establishment“ vertreten kann, zwei antisemitische Argumentationsmuster, die bereits seit dem religiös motivierten Antijudaismus bekannt sind: Auf der vertikalen Dimension werden „die da oben“ („die korrupte politische Elite“) und „wir hier unten“ („das einfache gute Volk“) als homogene Gruppen einander gegenübergestellt. Auf der horizontalen Dimension treten in einer Differenzkonstruktion „wir hier drinnen“ („die deutsche Volksgemeinschaft“), gegen „die da draußen“ („das Fremde“) in Erscheinung. Die dichotome Einteilung in homogene Kollektive ermöglicht eine Unterscheidung zwischen Gut und Böse, zwischen Opfern und Tätern und eine Schuldprojektion auf das konstruierte Feindbild.

Zieht die AfD letztlich auch Personen an, die bereits antisemitische Einstellungen teilen?

Die AfD bietet mit ihren geschichtsrevisionistischen und verschwörungsideologischen Äußerungen, definitiv viele Identifikationsangebote für Personen mit einem antisemitischen Weltbild, die dementsprechend im Vergleich zu anderen Parteien auch überdurchschnittlich in der AfD vertreten sind. Während ein Großteil der AfD eher subtile antisemitische Einstellungen teilt, ist ein deutlich kleinerer Teil der AfD in ideologisch festgelegter Überzeugung rechtsextrem und antisemitisch. Ein Beispiel dafür ist, der in meinem Buch detailliert untersuchte Fall des AfD-Landtagsabgeordneten Wolfgang Gedeon, der sein antisemitisch antizionistisches, verschwörungsideologisches und völkisch-rassistisches Weltbild in aller Offenheit wie Eindeutigkeit artikuliert.

Sie bringen Antisemitismus und Verschwörungsideologien in Zusammenhang. Können Sie die Verbindung der beiden darstellen?

Die Grundlage von vielfältigen Varianten von Verschwörungsideologien ist (und war) immer wieder die Konstruktion eines allmächtigen Feindes. Die Urform des Verschwörungsmythos ist der Glaube, dass eine als homogenes kollektiv stilisierte Gruppe schuld sei an allen (sozialen) Missständen. Der Antisemitismus wiederum projiziert jegliche Schuld auf das konstruierte Feindbild „des Juden“ und bezieht sich dabei auf Verschwörungsmythen, die durch ihre Unnachweisbarkeit als Beweis für die Behauptung von „Tatsachen“ dienen und so die antisemitischen Denkstrukturen rechtfertigen können. Somit beruht der Antisemitismus selbst auf dem Verschwörungsgedanken.

Bei der AfD schwingen bei den antimuslimischen Parolen unterschwellig immer auch antisemitische Ressentiments und verschwörungsideologische Gedanken mit. Innerhalb der Agitation einer imaginierten „Überfremdung“ des eigenen „Volkes“ durch „die Muslime“ — die von der Pegida-Bewegung formuliert und von der AfD aufgegriffen wurde — steht zum Beispiel das antisemitische Ressentiment einer „jüdischen Weltverschwörung“. Der Verschwörungsmythos besagt hier, dass die nach Europa migrierenden Muslim:innen Opfer eines jüdischen Plans wären, dessen Ziel die Destabilisierung der Nationalstaaten und Errichtung einer „Neuen Weltordnung“ sei.

Was ist die Zielsetzung Ihres Werkes im Hinblick auf die Zielgruppe?

Die Publikation möchte einerseits Wissen darüber vermitteln, wie und in welcher Form Antisemitismus von rechtspopulistischen Akteuren geäußert wird. Es zeigt sich, dass der Antisemitismus wandelbar und anpassungsfähig und damit oft schwer zu greifen ist. Denkmuster und Argumentationsstränge enthalten bei vielen AfD-Politiker:innen beispielsweise häufig keine explizite Nennung von Jüdinnen und Juden. Um Antisemitismus erkennen und im Alltag oder in den sozialen Medien entgegen treten zu können, ist es wichtig die historische Kontinuität des Antisemitismus zu verstehen und die unterschiedlichen Erscheinungsformen mitsamt der antisemitischen Stereotype, Ressentiments und Codes zu kennen. Die Publikation liefert Leser:innen eine umfangreiche theoretische Grundlage, was Antisemitismus ist, wie er sich äußern kann und veranschaulicht dies praktisch an dem konkreten Fallbeispiel des AfD-Landtagsabgeordneten Wolfgang Gedeon.

Bislang gibt es in der Antisemitismus- und Parteienforschung keine umfassende systematische Analyse zum Antisemitismus in der AfD. Meine Arbeit zeichnet zentrale (ideologische) Verbindungslinien zu einer Vielzahl an antisemitischen, völkischen und neurechten Äußerungen von AfD-Politiker:innen, die systematisch zusammengeführt werden. Sie veranschaulicht theoretisch und exemplarisch die Zusammenhänge zwischen Rechtspopulismus und Antisemitismus anhand der politischen Rhetorik der AfD und bietet so eine interessante Ausgangslage für weitere Forschungsvorhaben.

Corona: Krisensprache – Sprachkrise – Krisenkommunikation

Dr. Martin Weinert, Germanist, Historiker, Fachbuchautor und seit 2015 Leiter des Matthias-Grünewald-Gymnasiums in Würzburg, hat vor Kurzem sein neues Buch „Krisensprache – Sprachkrise – Krisenkommunikation" im Tectum Verlag herausgebracht. Es thematisiert den Wandel unseres Wortschatzes durch die COVID-19-Pandemie. Wörter wie Ausgangssperre, Coronaparty und Social Distancing haben sich wie selbstverständlich in unseren Wortschatz integriert. Wir sprechen mit unserem Autor über den momentan stattfinden Sprachwandel.

1) Herr Weinert, welches sind die wichtigsten und am häufigsten gebrauchten Neologismen der Coronapandemie in Deutschland?

Auffallend bei dieser weltweiten Krise ist, dass sich der Sprachwandel, der grundsätzlich immer stattfindet, augenblicklich sehr rasch vollzieht. Das bedeutet, dass auch Neologismen, also Wortneubildungen, derzeit in schneller Abfolge in die Alltagssprache eindringen, aber größtenteils ebenso schnell wieder verschwinden. Man denke hier an den verpönten Begriff der "Öffnungsdiskussionsorgien", der zeitweise die Medien dominierte. Oder Begriffe wie "Coronials", also Kinder, die während des "Lockdown" gezeugt wurden. Aber Neologismen sind nur eine Sonderform des Sprachwandels. Andere Wörter waren aus der Mode und kommen nun situationsbedingt zurück: So hat man während vergangener Kriege und Krisen "gehamstert" - und macht dies nun auch wieder.

2) Welche Wörter haben eine neue Bedeutung hinzugewonnen? Meinen Sie, dass diesen Wörtern auch nach Überwindung der Krise die zusätzliche neue Bedeutung weiter anhaften wird?

Manche Wörter verändern mit der Krise ihre Bedeutung: "positiv" ist plötzlich nicht mehr positiv, sondern negativ. Hier wird es sicherlich eine ganze Weile dauern, bis wir dieses Wort wieder unvoreingenommen nutzen können. Oder "Home-Office": Hier wurde scheinbar ein Wort aus dem Englischen übernommen, das dort aber das Innenministerium bezeichnet. Dies kann man beispielhaft auch erkennen am Begriff "Triage", der in früheren Ausgaben des DUDEN noch in Verbindung mit der Trennung von Kaffeebohnen erklärt war - und nun auf rein medizinische Aspekte übertragen wird.

3) In Ihrem Werk betrachten Sie auch vergleichbare Entwicklungen in anderen Sprachen. Was ist Ihnen hierbei aufgefallen? Werden in ähnlichem Maße wie in Deutschland Wörter neu geschaffen oder erhalten neue Bedeutungen? Kann man daraus einen Rückschluss darauf ziehen, ob unsere Nachbarländer die Krise ähnlich wahrnehmen und handhaben?

Eine Untersuchung von Berichten und Studien im Englischen, Französischen, Italienischen, Spanischen und Portgugiesischen hat vergleichbare Resultate wie im Deutschen ergeben, inklusive der Dominanz des Englischen. Dabei finden sich größtenteils übereinstimmende Befunde, lediglich variiert in Staaten, bei denen Zensur oder Regierungsdominanz eine größere Rolle spielt (China, Brasilien). Hier kann man manchmal nur erahnen, dass die Krise und ihr (sprachlicher) Umgang damit in bestimmten Schichten anders wahrgenommen wird als beim herrschenden System. Ein interessantes Beispiel, dass die Diskussionen vergleichbar sind, ist der Artikel für "Virus": Hier hat die Académie fran çaise in Frankreich entschieden, dass es "la virus", also feminin sein muss. In Deutschland verwenden wir die männliche Form ("der Virus") im IT-Bereich, während Ärzte "das Virus" sagen.
 

Dr. Joachim Kahl im Interview

In Heft 129 von diesseits erklärt Tectum-Autor Joachim Kahl anlässlich seines 80. Geburtstags im Gespräch mit Helmut Fink, warum er "nicht zahm, sondern differenzierter und reifer geworden" ist. 

Es geht um den Werdegang des Marburger Philosophen, seine bisherigen und noch anstehenden Publikationen und u.a. auch seine ganz persönlichen Lieblingsphilosophen.

Bei uns hat Joachim Kahl die dritte Auflage von "Das Elend des Christentum - oder Plädoyer für eine Humanität ohne Gott" veröffentlicht. Zum Hintergrund: Wir schreiben das Jahr 1968 und der frische gebackene Doktor der Theologie Joachim Kahl tritt aus der Kirche aus und veröffentlicht im Rowohlt Verlag ‚Das Elend des Christentums‘. Das Buch des erst 27-jährigen erlebt einen beispiellosen Erfolg, verkauft sich in kürzester Zeit über 100.000-mal und wird in vier Sprachen übersetzt. Es liefert die religionskritische Begleitmusik zur Studentenbewegung und trifft einen Nerv der Zeit. Die jetzt vorliegende dritte Auflage ist ergänzt um ein neues Vorwort und ein beachtenswertes Interview mit Kahl. Dass Kahl schonungslos die Widersprüchlichkeiten von Kirche und Christentum aufzeigt, und dass er dies in einer wortgewaltigen und bildreichen Sprache tut, macht ‚Das Elend des Christentums‘ zu einem Klassiker der Religionskritik.

Noch in diesem Jahr folgt seine Publikation "Das Humanismusbrevier".

Rezensionen

„Le Roi Carotte“

Faktur und Wirkung einer Partitur Jacques Offenbachs

»Die Offenbach-Forschung, die Grün kenntnisreich wie ausführlich resümiert, hat gerade jene Werke jenseits der Repertoirestücke „nur flüchtig bewertet“. Die abschätzige „Verweigerung“ bzw. „das mangelnde Interesse der musikwissenschaft-lichen Zunft an Offenbachs monumentalem Oeuvre“ hat Grün veranlasst, seine monumentale Untersuchung zu schreiben, zumal das Werk des schillernden „Empire-Kapellmeisters von Napoleons Graden“ wie er gelegentlich genannt wird, mittlerweile ediert ist und auch auf der Bühne, wenn auch entstellt oder reduziert ausgegraben wurde.«
Dieter David Scholz, operalounge.de Januar 2021

Grün, Le Roi Carotte

In Between

Identität und Zugehörigkeit Deutscher Third Culture Kids im Spannungsfeld der Kulturen

»eine theoretisch sowie empirisch gut strukturierte, verständlich geschriebene Studie, die zentrale Erkenntnisse zu einem in Deutschland noch nicht besonders herausgearbeitetem Forschungsfeld liefert. Durch eine sehr gut gelungene, detaillierte Analyse der Bewältigungsstrategien des Ankommens und der Identitätsfindung nach der Rückkehr der Untersuchungsgruppe nach Deutschland, ist sie vor allem für die Beschäftigten im Bereich Soziale Arbeit eine wertvolle Bereicherung. Insbesondere für Schulsozialarbeit empfiehlt sich das Buch als eine Anregung für einen sensibilisierten Umgang mit TCKs, da die Institution Schule besonderen Einfluss auf Identitätsbildungsprozesse von Kindern und Jugendlichen nimmt und damit einen wichtigen Anker der Sozialisation und des Ankommens zurückkehrender TCKs darstellt.«
Natalia Bekassow, Diskurs Kindheits- und Jugendforschung 4/2020, 477

Lenhard, In Between

Die ethischen Aspekte im Schreiben Ödön von Horváths

Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Literaturwissenschaft, Bd. 48

»Ihre Stärke liegt in der detailreichen Aufgliederung ethischer Dilemmata in den Texten, worin Hovárths als facettenreicher Moralist kenntlich wird.«
Martin Vejvar, Germanistik 1-2/2020, 406-407

Blechinger, Die ethischen Aspekte im Schreiben Ödön von Horváths

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