Zeitungsstapel

Tectum in der Presse

Aktuelle Rezensionen, Interviews und News haben wir hier für Sie zusammengestellt.

News

Die ‚Geduld als Ressource‘ bekommt den GBB Forschungspreis 2020

Unsere Autorin Dr. Bettina Siebert-Blaesing, die zugleich Diplom-Sozialpädagogin und Journalistin ist, erhält für ihre Dissertation "Geduld als Ressource - Gesundheitsförderung junger Erwachsener im Einzelcoaching" den Forschungspreis der Gesellschaft für Bewusstseinswissenschaften und Bewusstseinskultur e.V. (GBB).

Viele junge Menschen reagieren gestresst auf den gestiegenen Leistungsdruck. Für das Einzelcoaching stellt sich die Frage, wie Geduld die Situation der Betroffenen verbessern kann. Aufbauend auf einer historisch-philosophischen Einordnung werden Forschungsansätze und Studien zur Geduld vorgestellt. Über eine qualitative Befragung von 176 Freiwilligen im Sozialen Jahr erfährt der/die LeserIn wie junge Erwachsene Geduld als Hilfe in Krisen sehen. Zentrale Kriterien sind dabei das „Lernen von Geduld im Alltag und am Vorbild der Eltern“, eine „dialogische Beziehung“ sowie mehr „Zeit für Ruhe und Entspannung“. Für die Praxis und die Forschung werden Empfehlungen zur Gesundheitsförderung im (sozial-) pädagogischen Coaching beschrieben.

Siebert-Blaesing, Geduld als Ressource

Führen Sie schon oder herrschen Sie noch?

Im Zuge der Coronamaßnahmen arbeitete Ende Januar 2021 knapp ein Viertel der deutschen Erwerbstätigen im Homeoffice. Die veränderten Arbeitsbedingungen stellen ManagerInnen vor neue Herausforderungen. Vertrauen ist gut, aber ist Kontrolle nicht vielleicht doch besser?

Im Tectum Verlag ist nun ein neues Buch erschienen, das sich dieser Problematik annimmt und eine Anleitung zum fairen Management bietet, denn eine faire, menschen- und umweltgerechte Führung steht dem Erfolg als Führungskraft nicht im Weg. Heinz Siebenbrock entwickelt in „Führen Sie schon oder herrschen Sie noch?“ ein Modell, das auf Wertschätzung, Nachhaltigkeit und Vertrauen beruht und das Führungskräften ein ebenso faires wie erfolgreiches Management ermöglicht. Aufgrund der internationalen Gültigkeit und Reichweite der Aussagen und Konzepte gibt es auch eine englischsprachige Version des Werkes mit dem Titel „Fair Management - How to Stop Ruling and Start Leading“.

Wir haben Herrn Professor Siebenbrock nach den Werkzeugen gefragt, die er ManagerInnen mit seinem Buch an die Hand geben möchte und er klärt auf:

"Nun, in meinem Buch geht es zuallerletzt um Werkzeuge! Was nützt es, der Enkelin zu zeigen, wie man einen Schraubenschlüssel oder einen Schraubendreher benutzt? Was nützt es, wenn ihr nicht klargemacht wird, dass neben Werkzeug meistens auch Material notwendig ist? Neulich war der hintere Reifen ihres Fahrrads platt. Werkzeug bereitstellen und erklären hilft einer Neunjährigen überhaupt nicht.

Nachdem sie zusammen mit ihrem Großvater den Reifen repariert hatte, verkündete sie stolz: „Opa, nächstes Mal schaffe ich das alleine!“ Beim nächsten Mal reichte ein einfacher Flicken jedoch nicht, Schlauch und Mantel mussten ausgetauscht werden … Beginnt hier eine Geschichte, die die Enkelin zu einer echten Fahrradexpertin macht?

Wird sie einmal eine Expertin, die auch Probleme bewältigt, vor denen sie zum ersten Mal steht? Da reichen wohl keine Werkzeuge, da reichen auch keine Muster und Rezepte, da reichen nicht einmal Vorbilder! Im Grunde muss die Enkelin Lust dazu haben, das Fahrrad samt aller notwendigen Hintergründe zu verstehen! Wie kann der Großvater das erreichen?

Zuallererst braucht er ein bedingungsloses Interesse an der Entwicklung und Förderung seiner Enkelin. Er muss zuhören und erspüren, wohin die Reise gehen kann. Er muss erkennen, dass es nicht seine Reise, sondern die Reise seiner Enkelin ist. Und er darf sich darüber freuen, dass er sie auf dieser Reise begleiten und unterstützen darf.

All das gilt auch für eine gute Führungskraft. Dies gilt gerade in Zeiten, in denen es notwendiger denn je wird, die Zukunft eines Unternehmens nicht länger aus der Unternehmensspitze heraus zu gestalten und den Mitarbeitern vorzugeben, sondern zusammen mit den Mitarbeitern zu entwickeln. Dieser notwendige Ansatz wird in aktuellen Konzepten wie ‚New Work‘ und ‚Agility‘ hinreichend beschrieben.

Gute Führungskräfte benötigen zuallererst die Haltung des Großvaters: Unterstützen Sie Ihre Mitarbeiter, indem Sie sie wertschätzen, indem Sie ihnen vertrauen, indem Sie nachhaltige Entwicklungen fördern und indem Sie dafür sorgen, dass Ihre Mitarbeiter Erfüllung in ihrer Arbeit finden. Nehmen Sie Ihren Mitarbeitern nicht alles ab, sondern konzentrieren Sie sich auf die wenigen Aufgaben, die Führungskräfte unbedingt erfüllen müssen: Für Ziele sorgen, Mitarbeiter entwickeln, verändern und koordinieren. Dabei helfen Ihnen Werkzeuge, allen voran das Einzelgespräch und das Teamgespräch.

In dieser Reihenfolge lade ich alle aktuellen und potenziellen Führungskräfte ein, das Modell des Fairen Managements für sich zu entdecken und umzusetzen. In meinen Seminaren an der Hochschule und in der Wirtschaftspraxis arbeiten wir überwiegend auf der Haltungs- und Aufgabenebene, um schließlich in Übungen und Rollenspielen auf der Werkzeugebene zu erkennen, dass die darauf basierenden Gespräche mit den Mitarbeitern eine sehr hohe Wirksamkeit haben."

Hochschule post Corona

Mit der Corona-Krise wurden deutsche Hochschulen vor die Herausforderung gestellt, die Digitalisierung ihres Betriebs in Windeseile voranzutreiben. Der Tectum Verlag reagiert ebenso schnell und widmet sich in aktuellen Publikationen dem Thema der Digitalisierung in Studium und Lehre.

Die Studie „Vom Corona-Shutdown zur Blended University? – ExpertInnenbefragung Digitales Sommersemester“ herausgegeben von Funda Seyfeli, Laura Elsner und Dr. Klaus Wannemacher ist soeben im Tectum Verlag erschienen und offenbart gleichermaßen das rasche Reaktionsvermögen der Organisation Hochschule in der Krise wie auch die vielfältigen Herausforderungen der pandemiebedingten ‚Betriebsstörung‘ und abrupten Digitalisierung im Sommersemester 2020. Ausgehend von einer akteurspezifischen Analyse zentraler Problemlagen und hochschulpolitischer Handlungsbedarfe eröffnet die Studie einen kurzen Ausblick auf eine Hochschule post Corona.

Die ExpertInnenbefragung „Digitales Sommersemester“ fokussiert auf die mittelfristigen Folgen der Corona-Pandemie für Studium und Lehre. Auf Grundlage multiperspektivischer Befragungen unter Studierenden, Lehrenden und Mitarbeitenden von Supporteinrichtungen entsteht ein differenziertes Bild der Hochschule im Shutdown. Die Studie ist frei zugänglich in der Tectum eLibrary verfügbar.

Auch das bereits im Mai 2020 erschienene „Handbuch Hochschullehre Digital“ ist ein Wegweiser in die Digitale Lehre. Prof. Dr. Jürgen Handke stellt darin Wege vor, wie der Einstieg in eine nachhaltige Digitalisierung der Hochschullehre gelingen kann. Ausgehend von Problemen der Hochschullehre diskutiert er die Möglichkeiten anhand von konkreten Beispielen und zeigt kleinschrittig deren Umsetzung auf.

Getrieben durch die Herausforderungen der Corona-Krise sind Ideen zur Umsetzung der Digitalisierung der Lehre plötzlich dringend notwendig – der Tectum Verlag gibt Betroffenen und Interessierten die entsprechende Literatur zur Hand.

Interviews

Corona: Krisensprache – Sprachkrise – Krisenkommunikation

Dr. Martin Weinert, Germanist, Historiker, Fachbuchautor und seit 2015 Leiter des Matthias-Grünewald-Gymnasiums in Würzburg, hat vor Kurzem sein neues Buch „Krisensprache – Sprachkrise – Krisenkommunikation" im Tectum Verlag herausgebracht. Es thematisiert den Wandel unseres Wortschatzes durch die COVID-19-Pandemie. Wörter wie Ausgangssperre, Coronaparty und Social Distancing haben sich wie selbstverständlich in unseren Wortschatz integriert. Wir sprechen mit unserem Autor über den momentan stattfinden Sprachwandel.

1) Herr Weinert, welches sind die wichtigsten und am häufigsten gebrauchten Neologismen der Coronapandemie in Deutschland?

Auffallend bei dieser weltweiten Krise ist, dass sich der Sprachwandel, der grundsätzlich immer stattfindet, augenblicklich sehr rasch vollzieht. Das bedeutet, dass auch Neologismen, also Wortneubildungen, derzeit in schneller Abfolge in die Alltagssprache eindringen, aber größtenteils ebenso schnell wieder verschwinden. Man denke hier an den verpönten Begriff der "Öffnungsdiskussionsorgien", der zeitweise die Medien dominierte. Oder Begriffe wie "Coronials", also Kinder, die während des "Lockdown" gezeugt wurden. Aber Neologismen sind nur eine Sonderform des Sprachwandels. Andere Wörter waren aus der Mode und kommen nun situationsbedingt zurück: So hat man während vergangener Kriege und Krisen "gehamstert" - und macht dies nun auch wieder.

2) Welche Wörter haben eine neue Bedeutung hinzugewonnen? Meinen Sie, dass diesen Wörtern auch nach Überwindung der Krise die zusätzliche neue Bedeutung weiter anhaften wird?

Manche Wörter verändern mit der Krise ihre Bedeutung: "positiv" ist plötzlich nicht mehr positiv, sondern negativ. Hier wird es sicherlich eine ganze Weile dauern, bis wir dieses Wort wieder unvoreingenommen nutzen können. Oder "Home-Office": Hier wurde scheinbar ein Wort aus dem Englischen übernommen, das dort aber das Innenministerium bezeichnet. Dies kann man beispielhaft auch erkennen am Begriff "Triage", der in früheren Ausgaben des DUDEN noch in Verbindung mit der Trennung von Kaffeebohnen erklärt war - und nun auf rein medizinische Aspekte übertragen wird.

3) In Ihrem Werk betrachten Sie auch vergleichbare Entwicklungen in anderen Sprachen. Was ist Ihnen hierbei aufgefallen? Werden in ähnlichem Maße wie in Deutschland Wörter neu geschaffen oder erhalten neue Bedeutungen? Kann man daraus einen Rückschluss darauf ziehen, ob unsere Nachbarländer die Krise ähnlich wahrnehmen und handhaben?

Eine Untersuchung von Berichten und Studien im Englischen, Französischen, Italienischen, Spanischen und Portgugiesischen hat vergleichbare Resultate wie im Deutschen ergeben, inklusive der Dominanz des Englischen. Dabei finden sich größtenteils übereinstimmende Befunde, lediglich variiert in Staaten, bei denen Zensur oder Regierungsdominanz eine größere Rolle spielt (China, Brasilien). Hier kann man manchmal nur erahnen, dass die Krise und ihr (sprachlicher) Umgang damit in bestimmten Schichten anders wahrgenommen wird als beim herrschenden System. Ein interessantes Beispiel, dass die Diskussionen vergleichbar sind, ist der Artikel für "Virus": Hier hat die Académie fran çaise in Frankreich entschieden, dass es "la virus", also feminin sein muss. In Deutschland verwenden wir die männliche Form ("der Virus") im IT-Bereich, während Ärzte "das Virus" sagen.
 

Dr. Joachim Kahl im Interview

In Heft 129 von diesseits erklärt Tectum-Autor Joachim Kahl anlässlich seines 80. Geburtstags im Gespräch mit Helmut Fink, warum er "nicht zahm, sondern differenzierter und reifer geworden" ist. 

Es geht um den Werdegang des Marburger Philosophen, seine bisherigen und noch anstehenden Publikationen und u.a. auch seine ganz persönlichen Lieblingsphilosophen.

Bei uns hat Joachim Kahl die dritte Auflage von "Das Elend des Christentum - oder Plädoyer für eine Humanität ohne Gott" veröffentlicht. Zum Hintergrund: Wir schreiben das Jahr 1968 und der frische gebackene Doktor der Theologie Joachim Kahl tritt aus der Kirche aus und veröffentlicht im Rowohlt Verlag ‚Das Elend des Christentums‘. Das Buch des erst 27-jährigen erlebt einen beispiellosen Erfolg, verkauft sich in kürzester Zeit über 100.000-mal und wird in vier Sprachen übersetzt. Es liefert die religionskritische Begleitmusik zur Studentenbewegung und trifft einen Nerv der Zeit. Die jetzt vorliegende dritte Auflage ist ergänzt um ein neues Vorwort und ein beachtenswertes Interview mit Kahl. Dass Kahl schonungslos die Widersprüchlichkeiten von Kirche und Christentum aufzeigt, und dass er dies in einer wortgewaltigen und bildreichen Sprache tut, macht ‚Das Elend des Christentums‘ zu einem Klassiker der Religionskritik.

Noch in diesem Jahr folgt seine Publikation "Das Humanismusbrevier".

Helen Stoffel im Interview mit dem SWR

Helen Agnes Stoffel hat mit Überlebenden des Holocaust in Tel Aviv und Berlin Gespräche geführt, die Auskunft geben über ihr Schicksal als vom Nationalsozialismus verfolgte und in Konzentrationslager verschleppte Jüdinnen und Juden. Was die junge Autorin angetrieben hat, sich diesem Thema zu widmen, erzählt sie im Interview mit SWR-Moderatorin Thea Thomiczek.

Die sehr persönlichen Erzählungen berühren, weil das Leiden sehr authentisch und zugleich mit einfühlsamer Sachlichkeit beschrieben wird: ein bewegendes Dokument der brutalen Barbarei im Gefolge des deutschen Faschismus 1933–1945.

Im Interview mit SWR-Moderatorin Thea Thomiczek berichtet die Autorin von der Motivation für ihr Buchprojekt. Das Gespräch können Sie hier nachhören.

Mehr Informationen zum Buch finen Sie in unserem Shop.

Rezensionen

„Le Roi Carotte“

Faktur und Wirkung einer Partitur Jacques Offenbachs

»Die Offenbach-Forschung, die Grün kenntnisreich wie ausführlich resümiert, hat gerade jene Werke jenseits der Repertoirestücke „nur flüchtig bewertet“. Die abschätzige „Verweigerung“ bzw. „das mangelnde Interesse der musikwissenschaft-lichen Zunft an Offenbachs monumentalem Oeuvre“ hat Grün veranlasst, seine monumentale Untersuchung zu schreiben, zumal das Werk des schillernden „Empire-Kapellmeisters von Napoleons Graden“ wie er gelegentlich genannt wird, mittlerweile ediert ist und auch auf der Bühne, wenn auch entstellt oder reduziert ausgegraben wurde.«
Dieter David Scholz, operalounge.de Januar 2021

Grün, Le Roi Carotte

In Between

Identität und Zugehörigkeit Deutscher Third Culture Kids im Spannungsfeld der Kulturen

»eine theoretisch sowie empirisch gut strukturierte, verständlich geschriebene Studie, die zentrale Erkenntnisse zu einem in Deutschland noch nicht besonders herausgearbeitetem Forschungsfeld liefert. Durch eine sehr gut gelungene, detaillierte Analyse der Bewältigungsstrategien des Ankommens und der Identitätsfindung nach der Rückkehr der Untersuchungsgruppe nach Deutschland, ist sie vor allem für die Beschäftigten im Bereich Soziale Arbeit eine wertvolle Bereicherung. Insbesondere für Schulsozialarbeit empfiehlt sich das Buch als eine Anregung für einen sensibilisierten Umgang mit TCKs, da die Institution Schule besonderen Einfluss auf Identitätsbildungsprozesse von Kindern und Jugendlichen nimmt und damit einen wichtigen Anker der Sozialisation und des Ankommens zurückkehrender TCKs darstellt.«
Natalia Bekassow, Diskurs Kindheits- und Jugendforschung 4/2020, 477

Lenhard, In Between

Die ethischen Aspekte im Schreiben Ödön von Horváths

Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Literaturwissenschaft, Bd. 48

»Ihre Stärke liegt in der detailreichen Aufgliederung ethischer Dilemmata in den Texten, worin Hovárths als facettenreicher Moralist kenntlich wird.«
Martin Vejvar, Germanistik 1-2/2020, 406-407

Blechinger, Die ethischen Aspekte im Schreiben Ödön von Horváths

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