Zeitungsstapel

Tectum in der Presse

Aktuelle Rezensionen, Interviews und News haben wir hier für Sie zusammengestellt.

News

Die Corona-Veränderungen, die bleiben werden

Der neue Sammelband „Das Corona-Brennglas“, herausgegeben von Dr. Edmund Stoiber und Prof. Bodo Hombach, blickt auf wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen der Corona-Pandemie und wagt Prognosen für Ökonomie, Debatte und Demokratie nach der Pandemie.

Seit dem Frühjahr 2020 hat die Corona-Pandemie den Alltag im ganzen Land auf den Kopf gestellt. Die Krise hat wie ein Brennglas bereits vorher bestehende Probleme offengelegt und verstärkt. Gleichzeitig stellt sich seitdem die Frage nach ihren ökonomischen, politischen und gesellschaftlichen Folgen. Wie wirkt sich die Pandemie auf die politische Entscheidungsfindung aus? Wie groß ist die Gefahr eines wirtschaftlichen Absturzes, welchen Anteil trägt die Wirtschaft selbst bei der Bewältigung der Krise? Und wie wirkt sich all das auf den Zusammenhalt und das Institutionenvertrauen aus?

Kurzum: Welchen Einfluss nimmt die Krise auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft? Prof. Bodo Hombach beleuchtet die zahlreichen Verflechtungen und deutet erste Folgen an: Im Kern stellt sich die Frage: Verfügt unser Gemeinwesen über die nötige Spannkraft, um an den Herausforderungen zu wachsen oder wird es durch programmiertes Scheitern zusätzlich geschwächt?

Der Sammelband wurde von namhaften Persönlichkeiten aus den unterschiedlichsten Berufsfeldern geschrieben. Die verschiedenen Perspektiven und Expertisen ermöglichen die Suche nach Antworten auf die großen Fragen unserer Zeit. Auf diese Weise ist ein ebenso vielseitiges wie informatives Werk entstanden. Herausgeber Prof. Bodo Hombach und Dr. Edmund Stoiber fassen das Ziel des Werkes zusammen und erklären, an wen es sich richtet: „Dieses Buch bietet den Autoren und den Lesern Raum und Gelegenheit für eine Bestandsaufnahme abseits tagesaktueller und medialer Erregungsmuster. Es hat eine fundamentale These: Wir sind dem Virus und den Folgen der Pandemie nicht wehrlos ausgeliefert. Jeder Beitrag ist ein Statement für die Geltungsmacht der Fakten, die Machbarkeit der Verhältnisse und gegen die denkfaule „Lust am Untergang“. Es unterbricht die Infektionsketten von Panik und selbstverschuldeter Unmündigkeit. Es ist Aufklärung im besten Sinn.“

Die ‚Geduld als Ressource‘ bekommt den GBB Forschungspreis 2020

Unsere Autorin Dr. Bettina Siebert-Blaesing, die zugleich Diplom-Sozialpädagogin und Journalistin ist, erhält für ihre Dissertation "Geduld als Ressource - Gesundheitsförderung junger Erwachsener im Einzelcoaching" den Forschungspreis der Gesellschaft für Bewusstseinswissenschaften und Bewusstseinskultur e.V. (GBB).

Viele junge Menschen reagieren gestresst auf den gestiegenen Leistungsdruck. Für das Einzelcoaching stellt sich die Frage, wie Geduld die Situation der Betroffenen verbessern kann. Aufbauend auf einer historisch-philosophischen Einordnung werden Forschungsansätze und Studien zur Geduld vorgestellt. Über eine qualitative Befragung von 176 Freiwilligen im Sozialen Jahr erfährt der/die LeserIn wie junge Erwachsene Geduld als Hilfe in Krisen sehen. Zentrale Kriterien sind dabei das „Lernen von Geduld im Alltag und am Vorbild der Eltern“, eine „dialogische Beziehung“ sowie mehr „Zeit für Ruhe und Entspannung“. Für die Praxis und die Forschung werden Empfehlungen zur Gesundheitsförderung im (sozial-) pädagogischen Coaching beschrieben.

Siebert-Blaesing, Geduld als Ressource

Führen Sie schon oder herrschen Sie noch?

Im Zuge der Coronamaßnahmen arbeitete Ende Januar 2021 knapp ein Viertel der deutschen Erwerbstätigen im Homeoffice. Die veränderten Arbeitsbedingungen stellen ManagerInnen vor neue Herausforderungen. Vertrauen ist gut, aber ist Kontrolle nicht vielleicht doch besser?

Im Tectum Verlag ist nun ein neues Buch erschienen, das sich dieser Problematik annimmt und eine Anleitung zum fairen Management bietet, denn eine faire, menschen- und umweltgerechte Führung steht dem Erfolg als Führungskraft nicht im Weg. Heinz Siebenbrock entwickelt in „Führen Sie schon oder herrschen Sie noch?“ ein Modell, das auf Wertschätzung, Nachhaltigkeit und Vertrauen beruht und das Führungskräften ein ebenso faires wie erfolgreiches Management ermöglicht. Aufgrund der internationalen Gültigkeit und Reichweite der Aussagen und Konzepte gibt es auch eine englischsprachige Version des Werkes mit dem Titel „Fair Management - How to Stop Ruling and Start Leading“.

Wir haben Herrn Professor Siebenbrock nach den Werkzeugen gefragt, die er ManagerInnen mit seinem Buch an die Hand geben möchte und er klärt auf:

"Nun, in meinem Buch geht es zuallerletzt um Werkzeuge! Was nützt es, der Enkelin zu zeigen, wie man einen Schraubenschlüssel oder einen Schraubendreher benutzt? Was nützt es, wenn ihr nicht klargemacht wird, dass neben Werkzeug meistens auch Material notwendig ist? Neulich war der hintere Reifen ihres Fahrrads platt. Werkzeug bereitstellen und erklären hilft einer Neunjährigen überhaupt nicht.

Nachdem sie zusammen mit ihrem Großvater den Reifen repariert hatte, verkündete sie stolz: „Opa, nächstes Mal schaffe ich das alleine!“ Beim nächsten Mal reichte ein einfacher Flicken jedoch nicht, Schlauch und Mantel mussten ausgetauscht werden … Beginnt hier eine Geschichte, die die Enkelin zu einer echten Fahrradexpertin macht?

Wird sie einmal eine Expertin, die auch Probleme bewältigt, vor denen sie zum ersten Mal steht? Da reichen wohl keine Werkzeuge, da reichen auch keine Muster und Rezepte, da reichen nicht einmal Vorbilder! Im Grunde muss die Enkelin Lust dazu haben, das Fahrrad samt aller notwendigen Hintergründe zu verstehen! Wie kann der Großvater das erreichen?

Zuallererst braucht er ein bedingungsloses Interesse an der Entwicklung und Förderung seiner Enkelin. Er muss zuhören und erspüren, wohin die Reise gehen kann. Er muss erkennen, dass es nicht seine Reise, sondern die Reise seiner Enkelin ist. Und er darf sich darüber freuen, dass er sie auf dieser Reise begleiten und unterstützen darf.

All das gilt auch für eine gute Führungskraft. Dies gilt gerade in Zeiten, in denen es notwendiger denn je wird, die Zukunft eines Unternehmens nicht länger aus der Unternehmensspitze heraus zu gestalten und den Mitarbeitern vorzugeben, sondern zusammen mit den Mitarbeitern zu entwickeln. Dieser notwendige Ansatz wird in aktuellen Konzepten wie ‚New Work‘ und ‚Agility‘ hinreichend beschrieben.

Gute Führungskräfte benötigen zuallererst die Haltung des Großvaters: Unterstützen Sie Ihre Mitarbeiter, indem Sie sie wertschätzen, indem Sie ihnen vertrauen, indem Sie nachhaltige Entwicklungen fördern und indem Sie dafür sorgen, dass Ihre Mitarbeiter Erfüllung in ihrer Arbeit finden. Nehmen Sie Ihren Mitarbeitern nicht alles ab, sondern konzentrieren Sie sich auf die wenigen Aufgaben, die Führungskräfte unbedingt erfüllen müssen: Für Ziele sorgen, Mitarbeiter entwickeln, verändern und koordinieren. Dabei helfen Ihnen Werkzeuge, allen voran das Einzelgespräch und das Teamgespräch.

In dieser Reihenfolge lade ich alle aktuellen und potenziellen Führungskräfte ein, das Modell des Fairen Managements für sich zu entdecken und umzusetzen. In meinen Seminaren an der Hochschule und in der Wirtschaftspraxis arbeiten wir überwiegend auf der Haltungs- und Aufgabenebene, um schließlich in Übungen und Rollenspielen auf der Werkzeugebene zu erkennen, dass die darauf basierenden Gespräche mit den Mitarbeitern eine sehr hohe Wirksamkeit haben."

Interviews

Im Gespräch mit Paula Tuschling

Wir haben uns mit unserer Autorin Paula Tuschling über ihre neue Publikation "Antisemitimsus in der AfD" unterhalten

In Ihrer Arbeit „Antisemitismus in der AfD“ gehen Sie der Frage nach, wie sich Antisemitismus in einer rechtspopulistischen Partei manifestiert. Lässt sich anhand von Beispielen erklären, wie sich Antisemitismus in der AfD manifestiert?

Die AfD vertritt als Gesamtpartei in ihrer programmatischen Ausrichtung erstmal keinen offenen Antisemitismus, allerdings fällt die Partei seit ihrer Gründung immer wieder durch die antisemitischen Äußerungen vieler AfD-Politiker:innen auf. Antisemitismus lässt sich auch in anderen Parteien beobachten, in der AfD tritt er aber in überdurchschnittlicher Häufigkeit und Kontinuität auf.

Wie äußert sich der Antisemitismus in der Rhetorik der AfD?

Meist werden zunächst geschichtsrevisionistischen Forderungen artikuliert, die eine Schlussstrichmentalität sowie eine Erinnerungs- und Schuldabwehr in Bezug auf die NS-Zeit propagieren und damit dem Post-Holocaust Antisemitismus entsprechen. Diese sekundäre Form des Antisemitismus, die eine ablehnende Haltung gegenüber Jüdinnen und Juden „nicht trotz, sondern wegen Auschwitz“ (Broder 1986) umfasst, kommt innerhalb der AfD und ihrer Wählerschaft am häufigsten zum Ausdruck.

Viele rechtspopulistische Parteien in Europa inszenieren eine positive Bezugnahme auf Israel. Lässt sich dies auch innerhalb der AfD beobachten?

Einige AfD-Politiker:innen zeigen sich solidarisch mit Israel, verklären den Staat als „Bollwerk gegen den Islamismus“ und befürworten die Gründung der Gruppe „Juden in der AfD“. Diese Haltung wird allerdings nicht von allen in der AfD geteilt und spiegelt das ambivalente Bild der Partei wider. Gleichzeitig bemüht sich die AfD aber geschlossen den Antisemitismus in den eigenen Reihen zu marginalisieren und in schuldabwehrender Zuschreibung an andere Gruppen zu externalisieren. So werden durch das Zusammenspiel letztlich nicht nur Jüdinnen und Juden oder der Staat Israel, sondern auch der Antisemitismus selbst von einigen AfD-Politiker:innen instrumentalisiert, um die eigenen antimuslimischen und rassistischen Positionen zu legitimieren.

In welchem Verhältnis steht der Rechtspopulismus der AfD zum Antisemitismus?

Der Antisemitismus manifestiert sich gewissermaßen im Rechtspopulismus selbst, der bei der AfD u.a. eine weitere ideologische Ausgestaltung durch den völkischen Nationalismus erfährt. Die AfD bedient durch ihre populistische Inszenierung als einzige Partei, die die „wahren Interessen des Volkes“ gegen „das Establishment“ vertreten kann, zwei antisemitische Argumentationsmuster, die bereits seit dem religiös motivierten Antijudaismus bekannt sind: Auf der vertikalen Dimension werden „die da oben“ („die korrupte politische Elite“) und „wir hier unten“ („das einfache gute Volk“) als homogene Gruppen einander gegenübergestellt. Auf der horizontalen Dimension treten in einer Differenzkonstruktion „wir hier drinnen“ („die deutsche Volksgemeinschaft“), gegen „die da draußen“ („das Fremde“) in Erscheinung. Die dichotome Einteilung in homogene Kollektive ermöglicht eine Unterscheidung zwischen Gut und Böse, zwischen Opfern und Tätern und eine Schuldprojektion auf das konstruierte Feindbild.

Zieht die AfD letztlich auch Personen an, die bereits antisemitische Einstellungen teilen?

Die AfD bietet mit ihren geschichtsrevisionistischen und verschwörungsideologischen Äußerungen, definitiv viele Identifikationsangebote für Personen mit einem antisemitischen Weltbild, die dementsprechend im Vergleich zu anderen Parteien auch überdurchschnittlich in der AfD vertreten sind. Während ein Großteil der AfD eher subtile antisemitische Einstellungen teilt, ist ein deutlich kleinerer Teil der AfD in ideologisch festgelegter Überzeugung rechtsextrem und antisemitisch. Ein Beispiel dafür ist, der in meinem Buch detailliert untersuchte Fall des AfD-Landtagsabgeordneten Wolfgang Gedeon, der sein antisemitisch antizionistisches, verschwörungsideologisches und völkisch-rassistisches Weltbild in aller Offenheit wie Eindeutigkeit artikuliert.

Sie bringen Antisemitismus und Verschwörungsideologien in Zusammenhang. Können Sie die Verbindung der beiden darstellen?

Die Grundlage von vielfältigen Varianten von Verschwörungsideologien ist (und war) immer wieder die Konstruktion eines allmächtigen Feindes. Die Urform des Verschwörungsmythos ist der Glaube, dass eine als homogenes kollektiv stilisierte Gruppe schuld sei an allen (sozialen) Missständen. Der Antisemitismus wiederum projiziert jegliche Schuld auf das konstruierte Feindbild „des Juden“ und bezieht sich dabei auf Verschwörungsmythen, die durch ihre Unnachweisbarkeit als Beweis für die Behauptung von „Tatsachen“ dienen und so die antisemitischen Denkstrukturen rechtfertigen können. Somit beruht der Antisemitismus selbst auf dem Verschwörungsgedanken.

Bei der AfD schwingen bei den antimuslimischen Parolen unterschwellig immer auch antisemitische Ressentiments und verschwörungsideologische Gedanken mit. Innerhalb der Agitation einer imaginierten „Überfremdung“ des eigenen „Volkes“ durch „die Muslime“ — die von der Pegida-Bewegung formuliert und von der AfD aufgegriffen wurde — steht zum Beispiel das antisemitische Ressentiment einer „jüdischen Weltverschwörung“. Der Verschwörungsmythos besagt hier, dass die nach Europa migrierenden Muslim:innen Opfer eines jüdischen Plans wären, dessen Ziel die Destabilisierung der Nationalstaaten und Errichtung einer „Neuen Weltordnung“ sei.

Was ist die Zielsetzung Ihres Werkes im Hinblick auf die Zielgruppe?

Die Publikation möchte einerseits Wissen darüber vermitteln, wie und in welcher Form Antisemitismus von rechtspopulistischen Akteuren geäußert wird. Es zeigt sich, dass der Antisemitismus wandelbar und anpassungsfähig und damit oft schwer zu greifen ist. Denkmuster und Argumentationsstränge enthalten bei vielen AfD-Politiker:innen beispielsweise häufig keine explizite Nennung von Jüdinnen und Juden. Um Antisemitismus erkennen und im Alltag oder in den sozialen Medien entgegen treten zu können, ist es wichtig die historische Kontinuität des Antisemitismus zu verstehen und die unterschiedlichen Erscheinungsformen mitsamt der antisemitischen Stereotype, Ressentiments und Codes zu kennen. Die Publikation liefert Leser:innen eine umfangreiche theoretische Grundlage, was Antisemitismus ist, wie er sich äußern kann und veranschaulicht dies praktisch an dem konkreten Fallbeispiel des AfD-Landtagsabgeordneten Wolfgang Gedeon.

Bislang gibt es in der Antisemitismus- und Parteienforschung keine umfassende systematische Analyse zum Antisemitismus in der AfD. Meine Arbeit zeichnet zentrale (ideologische) Verbindungslinien zu einer Vielzahl an antisemitischen, völkischen und neurechten Äußerungen von AfD-Politiker:innen, die systematisch zusammengeführt werden. Sie veranschaulicht theoretisch und exemplarisch die Zusammenhänge zwischen Rechtspopulismus und Antisemitismus anhand der politischen Rhetorik der AfD und bietet so eine interessante Ausgangslage für weitere Forschungsvorhaben.

Corona: Krisensprache – Sprachkrise – Krisenkommunikation

Dr. Martin Weinert, Germanist, Historiker, Fachbuchautor und seit 2015 Leiter des Matthias-Grünewald-Gymnasiums in Würzburg, hat vor Kurzem sein neues Buch „Krisensprache – Sprachkrise – Krisenkommunikation" im Tectum Verlag herausgebracht. Es thematisiert den Wandel unseres Wortschatzes durch die COVID-19-Pandemie. Wörter wie Ausgangssperre, Coronaparty und Social Distancing haben sich wie selbstverständlich in unseren Wortschatz integriert. Wir sprechen mit unserem Autor über den momentan stattfinden Sprachwandel.

1) Herr Weinert, welches sind die wichtigsten und am häufigsten gebrauchten Neologismen der Coronapandemie in Deutschland?

Auffallend bei dieser weltweiten Krise ist, dass sich der Sprachwandel, der grundsätzlich immer stattfindet, augenblicklich sehr rasch vollzieht. Das bedeutet, dass auch Neologismen, also Wortneubildungen, derzeit in schneller Abfolge in die Alltagssprache eindringen, aber größtenteils ebenso schnell wieder verschwinden. Man denke hier an den verpönten Begriff der "Öffnungsdiskussionsorgien", der zeitweise die Medien dominierte. Oder Begriffe wie "Coronials", also Kinder, die während des "Lockdown" gezeugt wurden. Aber Neologismen sind nur eine Sonderform des Sprachwandels. Andere Wörter waren aus der Mode und kommen nun situationsbedingt zurück: So hat man während vergangener Kriege und Krisen "gehamstert" - und macht dies nun auch wieder.

2) Welche Wörter haben eine neue Bedeutung hinzugewonnen? Meinen Sie, dass diesen Wörtern auch nach Überwindung der Krise die zusätzliche neue Bedeutung weiter anhaften wird?

Manche Wörter verändern mit der Krise ihre Bedeutung: "positiv" ist plötzlich nicht mehr positiv, sondern negativ. Hier wird es sicherlich eine ganze Weile dauern, bis wir dieses Wort wieder unvoreingenommen nutzen können. Oder "Home-Office": Hier wurde scheinbar ein Wort aus dem Englischen übernommen, das dort aber das Innenministerium bezeichnet. Dies kann man beispielhaft auch erkennen am Begriff "Triage", der in früheren Ausgaben des DUDEN noch in Verbindung mit der Trennung von Kaffeebohnen erklärt war - und nun auf rein medizinische Aspekte übertragen wird.

3) In Ihrem Werk betrachten Sie auch vergleichbare Entwicklungen in anderen Sprachen. Was ist Ihnen hierbei aufgefallen? Werden in ähnlichem Maße wie in Deutschland Wörter neu geschaffen oder erhalten neue Bedeutungen? Kann man daraus einen Rückschluss darauf ziehen, ob unsere Nachbarländer die Krise ähnlich wahrnehmen und handhaben?

Eine Untersuchung von Berichten und Studien im Englischen, Französischen, Italienischen, Spanischen und Portgugiesischen hat vergleichbare Resultate wie im Deutschen ergeben, inklusive der Dominanz des Englischen. Dabei finden sich größtenteils übereinstimmende Befunde, lediglich variiert in Staaten, bei denen Zensur oder Regierungsdominanz eine größere Rolle spielt (China, Brasilien). Hier kann man manchmal nur erahnen, dass die Krise und ihr (sprachlicher) Umgang damit in bestimmten Schichten anders wahrgenommen wird als beim herrschenden System. Ein interessantes Beispiel, dass die Diskussionen vergleichbar sind, ist der Artikel für "Virus": Hier hat die Académie fran çaise in Frankreich entschieden, dass es "la virus", also feminin sein muss. In Deutschland verwenden wir die männliche Form ("der Virus") im IT-Bereich, während Ärzte "das Virus" sagen.
 

Dr. Joachim Kahl im Interview

In Heft 129 von diesseits erklärt Tectum-Autor Joachim Kahl anlässlich seines 80. Geburtstags im Gespräch mit Helmut Fink, warum er "nicht zahm, sondern differenzierter und reifer geworden" ist. 

Es geht um den Werdegang des Marburger Philosophen, seine bisherigen und noch anstehenden Publikationen und u.a. auch seine ganz persönlichen Lieblingsphilosophen.

Bei uns hat Joachim Kahl die dritte Auflage von "Das Elend des Christentum - oder Plädoyer für eine Humanität ohne Gott" veröffentlicht. Zum Hintergrund: Wir schreiben das Jahr 1968 und der frische gebackene Doktor der Theologie Joachim Kahl tritt aus der Kirche aus und veröffentlicht im Rowohlt Verlag ‚Das Elend des Christentums‘. Das Buch des erst 27-jährigen erlebt einen beispiellosen Erfolg, verkauft sich in kürzester Zeit über 100.000-mal und wird in vier Sprachen übersetzt. Es liefert die religionskritische Begleitmusik zur Studentenbewegung und trifft einen Nerv der Zeit. Die jetzt vorliegende dritte Auflage ist ergänzt um ein neues Vorwort und ein beachtenswertes Interview mit Kahl. Dass Kahl schonungslos die Widersprüchlichkeiten von Kirche und Christentum aufzeigt, und dass er dies in einer wortgewaltigen und bildreichen Sprache tut, macht ‚Das Elend des Christentums‘ zu einem Klassiker der Religionskritik.

Noch in diesem Jahr folgt seine Publikation "Das Humanismusbrevier".

Rezensionen

„Le Roi Carotte“

Faktur und Wirkung einer Partitur Jacques Offenbachs

»Die Offenbach-Forschung, die Grün kenntnisreich wie ausführlich resümiert, hat gerade jene Werke jenseits der Repertoirestücke „nur flüchtig bewertet“. Die abschätzige „Verweigerung“ bzw. „das mangelnde Interesse der musikwissenschaft-lichen Zunft an Offenbachs monumentalem Oeuvre“ hat Grün veranlasst, seine monumentale Untersuchung zu schreiben, zumal das Werk des schillernden „Empire-Kapellmeisters von Napoleons Graden“ wie er gelegentlich genannt wird, mittlerweile ediert ist und auch auf der Bühne, wenn auch entstellt oder reduziert ausgegraben wurde.«
Dieter David Scholz, operalounge.de Januar 2021

Grün, Le Roi Carotte

In Between

Identität und Zugehörigkeit Deutscher Third Culture Kids im Spannungsfeld der Kulturen

»eine theoretisch sowie empirisch gut strukturierte, verständlich geschriebene Studie, die zentrale Erkenntnisse zu einem in Deutschland noch nicht besonders herausgearbeitetem Forschungsfeld liefert. Durch eine sehr gut gelungene, detaillierte Analyse der Bewältigungsstrategien des Ankommens und der Identitätsfindung nach der Rückkehr der Untersuchungsgruppe nach Deutschland, ist sie vor allem für die Beschäftigten im Bereich Soziale Arbeit eine wertvolle Bereicherung. Insbesondere für Schulsozialarbeit empfiehlt sich das Buch als eine Anregung für einen sensibilisierten Umgang mit TCKs, da die Institution Schule besonderen Einfluss auf Identitätsbildungsprozesse von Kindern und Jugendlichen nimmt und damit einen wichtigen Anker der Sozialisation und des Ankommens zurückkehrender TCKs darstellt.«
Natalia Bekassow, Diskurs Kindheits- und Jugendforschung 4/2020, 477

Lenhard, In Between

Die ethischen Aspekte im Schreiben Ödön von Horváths

Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Literaturwissenschaft, Bd. 48

»Ihre Stärke liegt in der detailreichen Aufgliederung ethischer Dilemmata in den Texten, worin Hovárths als facettenreicher Moralist kenntlich wird.«
Martin Vejvar, Germanistik 1-2/2020, 406-407

Blechinger, Die ethischen Aspekte im Schreiben Ödön von Horváths

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