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Boris Kehrmann

Vom Expressionismus zum
verordneten „Realistischen
Musiktheater“

Walter Felsenstein – Eine dokumentarische Biographie 1901 bis 1951

ISBN 978-3-8288-3266-4
1372 Seiten, Hardcover
Tectum Verlag 2015
79,95 €
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Vom Expressionismus zum verordneten „Realistischen Musiktheater“

Details

Bis heute wird Walter Felsenstein (1901–1975) automatisch mit dem Attribut des «Realistischen Musiktheaters» belegt. Dabei hielt der Regisseur «Realismus» für das Unkünstlerische schlechthin. Erst als der Ostberliner Magistrat drohte, der Komischen Oper die Subventionen zu entziehen, nahm er die Vereinnahmung seines Schaffens für den (Sozialistischen) Realismus widerstrebend hin. Andernfalls hätte es das Aus für seinen seit 1932 gehegten Lebenstraum einer Reformoper bedeutet. Unter diesem, ihm im Zeichen des «Kalten Krieges» aufgezwungenen «Kompromiss» hat er, der seit 1918 Theater machte, gelitten. Der innere und äußere Kampf gegen Bürokraten und Ideologen zermürbte ihn. Und doch ist es ausschließlich der «alte Felsenstein», der heute das Felsenstein-Bild prägt.

Die dokumentarische Biographie unternimmt es erstmals, den Fokus auf die ersten fünfzig Lebensjahre des bahnbrechenden Theatermannes zu richten. Sie lässt nachträglich verfälschende Erinnerungen beiseite und stützt sich kritisch auf zeitgenössische Quellen aus über 50 öffentlichen und privaten Archiven in vier Ländern. Hauptquelle sind die hier erstmals veröffentlichten Briefe an seine erste Frau Ellen Neumann sowie wesentliche Familienbriefe, die uns im innerfamiliären Dialog über Systemgrenzen hinweg erschließen, was Felsenstein jenseits diplomatischer und politischer Taktik dachte.

Der Schwerpunkt der Untersuchung liegt auf der bisher unerforschten Zeit von 1901 bis 1951. Die letzten vierundzwanzig, äußerlich glanzvollen, innerlich von zunehmender Isolation geprägten Lebensjahre werden schlaglichtartig beleuchtet, sofern sie die Themen dieses Buches spiegeln: Die Kontinuität seines durch Expressionismus, Ersten Weltkrieg und die Revolutionen von 1917ff. geprägten Schaffens und die Bewältigung der eigenen Vergangenheit.

 

Er herrschte wie ein König bis zu dem Tag, an dem er starb, und nahm für sich in Anspruch, was niemand ihm bestreiten konnte: die Privilegien eines großen Künstlers. Walter wusste und verlangte auch von anderen, anzuerkennen, dass der Künstler das wertvollste Glied der Gesellschaft ist – egal welcher Couleur.
Ein Gigant ist von uns gegangen.
Elia Kazan

Ich möchte fünf Regisseure nennen, vor denen ich mich demütig verneige. Es sind das der Italiener Giorgio Strehler, der Moskauer Juri Ljubimow, der Leningrader Georgi Towstonogow, der Londoner Peter Brook und der New Yorker Jerome Robbins.
Walter Felsenstein

Neben einer Fülle unveröffentlichter und unbekannter Quellen hat der Verfasser zahlreiche, an entlegener Stelle publizierte Texte in Tageszeitungen, Theaterbroschüren, Programmheften, publizistischen, historischen und theoretischen Werken der Vorkriegs‑, Kriegs‑ und Nachkriegszeit ermittelt und in der vorliegenden Arbeit erstmals zugänglich gemacht. Die Entdeckung des umfangreichen Konvoluts der Briefe Felsensteins an seine erste Frau sowie die Verwendung zahlreichen weiteren Schriftverkehrs mit Behörden, Einzelpersonen und künstlerischen Weggefährten ermöglicht es uns, Felsensteins künstlerische Entwicklung und seine politische Persönlichkeit jenseits späterer, ideologisch motivierter Verfälschungen aus der «Innenperspektive» und in «Echtzeit» zu verfolgen.
Matthias Herrmann

  • Boris Kehrmann hat Deutsche Sprach- und Literatur-, Theater- und Musikwissenschaft, Literaturkritik und Neuere Geschichte in Zürich, Albany und Berlin studiert. Publikationen zu Wagner, Offenbach, Fontane, Hofmannsthal, Exilliteratur sowie zur Musik- und Theatergeschichte. Arbeit als Publizist für zahlreiche Medien (u. a. Opernwelt) und Institutionen, Dramaturg und Übersetzer. Die vorliegende dokumentarische Biographie über Walter Felsenstein ist aus seiner Dissertation an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden hervorgegangen.

»Buch des Sommers 2015. Liest sich wie ein Thriller.«
Eleonore BüningFrankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, 12.7.2015

Platz 2 als Buch des Jahres der internationalen Opernwelt-Kritiker-Umfrage 2015
Jahrbuch Oper 2015

»Die Publikation setzt Maßstäbe, ist konkurrenzlos und schon jetzt ein Standardwerk.«
Dieter David ScholzSWR2 Cluster, 15.7.2015 / Neue Musikzeitung, 10/2015

Walter Felsenstein in neuem Licht. [...] Das Resultat revidiert das Bild dieses Regisseurs radikal. [...] Der Autor [...] arbeitet Felsensteins Biografie von der Kindheit bis 1951 umfassend, von da bis zu dessen Tod 1975 zumindest in den Hauptzügen auf... und setzt das Leben und Wirken des grossen Theatermannes stets in Bezug zu den dramatischen weltpolitischen Entwicklungen der Zeit. [...] Man bringt es kaum über sich, einmal ein paar Seiten zu überschlagen oder auch bloss die Anmerkungen zu ignorieren: So viel an Information steckt da in jeder Zeile! [... Die] Geschichte [der Komischen Oper Berlin] von der Gründung 1947 bis zu Felsensteins Tod 1975 nimmt in Kehrmanns Publikation vergleichsweise wenig Raum ein, doch zählen diese Kapitel zu den brisantesten, weil sie hautnah miterleben lassen, welch schwierigen Bedingungen das künstlerische Schaffen im besetzten und geteilten Berlin in den ersten Nachkriegsjahren, während des Kalten Krieges und insbesondere nach dem Bau der Mauer abgerungen werden musste.
Marianne Zelger-Vogt – Neue Zürcher Zeitung, 20.2.2016

»Erstmals wird hier der Briefwechsel Walter Felsensteins ausgewertet und (teil-)veröffentlicht. So kann Kehrmann eine höchst wirkungsmächtige Propagandalegende der DDR enttarnen: Der feuerköpfige Musiktheatermacher Felsenstein hatte nämlich mit einem parteiverordneten Realismus“ auf der Bühne künstlerisch gar nichts am Hut; schloss jedoch, wie schon zuvor mit den Nationalsozialisten, taktische Kompromisse mit den Machthabern, um sich und seinem Theater ästhetische Freiräume zu erhalten.«
Eleonore Büning, Neue Musikzeitung, 12/2015

»[Kehrmann] verlässt sich auf das dokumentarische Material, was erst jetzt vorliegt, und damit ist dieses Werk zu dem großen Schlüsselwerk über Felsenstein geworden. Niemand kommt jetzt mehr daran vorbei. [... Felsenstein] hat immer versucht einen Weg zu finden, und gerade dieser Weg mit den Mächtigen, das wird hier sehr gut dokumentiert, vor allem durch die persönlichen Briefe, die [Kehrmann] ausgewertet hat. [...] An wen wendet sich das Buch? - Das ist nicht nur für die Felsenstein-Forschung, sondern auch für die Kultur in der DDR ein ganz wichtiges Quellenbuch. Von hier aus geht wahrscheinlich ein neues Felsenstein-Bild um die Welt. Das Buch wendet sich natürlich an Spezialisten und Leute, die mit Theater zu tun haben. Aber es ist dann auch wieder so kurzweilig geschrieben, dass man das auch als normaler Leser mit Interesse für Theater ganz gut lesen kann. Es ist sehr flüssig geschrieben und ich habe das im Urlaub auf einem Schiff gelesen und mich da sehr gut unterhalten gefühlt.«
Fritz Spangemacher – Bücherlese, im Saarländischen Rundfunk, 2.9.2015

»In vier umfangreichen Kapiteln und einem Epilog stellt Kehrmann die künstlerische und politische Biographie Felsensteins detailliert und äußerst differenziert dar und zeichnet so ein nuancenreiches Bild dieses Künstlers und Kulturpolitikers. Für alle diejenigen, die sich mit Person und Werk Felsensteins befassen, wird das Buch zu einer wahren Fundgrube. Doch auch diejenigen, die sich mehr für die generelle Frage des Verhältnisses von politischen Diktaturen und den Künsten befassen, erfahren zahlreiche überraschende Einzelheiten, wie unterschiedlich dieses Verhältnis konkretisiert werden kann. Ein sorgfältig erstelltes Verweissystem hilft bei der Auffindung besonderer Quellen. Ein gelungenes Buch, das fachlich zahlreiche neue Erkenntnisse bringt und kulturpolitisch ein Gewinn ist.«
Horst Dichanz – www.opernnetz.de, 23.8.2015

»Der diesbezügliche Abschnitt des Buches – ein privater Konflikt solchen Ausmaßes vor dem Hintergrund des eskalierenden Krieges und beispielloser Rassenverfolgung sowie die allen Umständen zum Trotz dominierende Besessenheit Felsensteins von seinen künstlerischen Aufgaben – liest sich schon aufgrund der Dokumente wie ein Krimi. [...] Kehrmanns Arbeit öffnet der Felsenstein-Forschung neue Wege.«
Stephan MöschOpernwelt, November 2015

»Das Werk ist chronologisch gegliedert, übersichtlich trotz der Vielzahl der Themen [...]. Der kritische Apparat ist immens umfangreich, der Anhang mit Rollenverzeichnis, Bibliographie, Personenregister, Bühnenwerken und Filmtiteln akribisch und jedem wissenschaftlichen Anspruch gerecht werdend. [...] Vergleiche mit Wieland Wagners Bestrebungen [...] werfen ein neues Licht auf den Künstler. [...] Der Leser enthält einen umfangreichen und detaillierten Einblick in das Wiener wie das Berliner Theaterleben. [...] um die geschickte Umleitung vom von der Besatzungsmacht geplanten Operettentheater zur Komischen Oper geht es im zweiten Band [...]. Der Kalte Krieg zwingt Felsenstein zwischen seine Fronten [...], was der Autor trotz aller wissenschaftlichen Ernsthaftigkeit spannend wie einen Krimi darzustellen weiß.«
Ingrid Wanja – Opralounge.de, 21.8.2015

»Die Publikation leistet die längst überfällige Korrektur des Felsenstein-Bilds.«
Dieter David Scholz – Das Orchester, 11/2015


»Beeindruckend ist die Akribie, mit der der Autor selbst entlegenste Quellen aufgespürt und ausgewertet hat, Zeitzeugen befragte, und bisher unbekanntes Material zugänglich macht. [...] Kehrmann stand das private Archiv des ältesten Felsenstein-Sohnes Peter Brenner zur Verfügung, und damit auch der direkte Blick auf den Privatmann Felsenstein. [...] das Buch ist in Anbetracht seiner Gewichtigkeit erfreulich gut lesbar.«
Peter Sommeregger – info-netz-musik, 18.10.2015

»[...] Boris Kehrmann has published Eine dokumentarische Biographie 1901 bis 1951 in two volumes, containing many never before published documents that shed new light on Felsenstein’s pre-Komische Oper days, and his operetta work in the German provinces. […]  It was not easy for Mr. Kehrmann to get these often intimate, highly detailed Felsenstein letters published, because officially they did not exist […] But here, now, is a close look at the fascinating early career of Felsenstein […] Mr. Kehrmann is always a thought-provoking author [...] a must-read for all fans of German “Musiktheater” as we know it today, but also for operetta fans. Because it offers unique documents on a performance situation that is usually not covered by the press and rarely touched upon in the major operetta histories.«
Kevin Clarke – Operetta Research Center. The # 1 Archive for Musical Theatre, 12.7.2015


»[...] jetzt legt der Musikwissenschaftler und Dramaturg Boris Kehrmann ein in jedem Sinne gewichtiges Werk vor, das dem Bild des Theatermannes Felsenstein ganz neue Züge verleiht. […] Autor Boris Kehrmann hat mit seiner voluminösen Untersuchung ein Grundlagenwerk geschrieben, an dem die künfitge Beschäftigung mit Felsenstein und auch dessen späterem Wirken nicht wird vorbeigehen können.«
Rüdiger Krohn – Rhein-Neckar-Zeitung, 11./12. Juli 2015

»Dem Autor Boris Kehrmann, der sich mit Büchern zur Berliner Staatsoper und zur Komischen Oper als solider Kenner empfohlen hat, ist mit seiner Untersuchung ein so fundamentales wie nachhaltiges Grundlagenwerk gelungen, an dem die künftige Beschäftigung mit Felsenstein und auch dessen späterem Wirken nicht wird vorbeigehen können.«
Rüdiger Krohn – BADISCHE NEUESTE NACHRICHTEN, Nr. 18/2016

»Auf 1362 Seiten gewährt der Autor Boris Kehrmann, der Felsenstein noch persönlich kennenlernen durfte, Einblicke in bisher unbekannte oder durch Klischees verschüttete Facetten der Persönlichkeit des Regisseurs. Er entdeckte im Zuge seiner Recherchen bislang unbekanntes Quellenmaterial großen Umfangs [...]«
G. Helbig – Das Opernglas 12/2015