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Bardo Leibold

Das Topische Modell

Ritual und Syntax in der Kunst der römisch-christlichen Kaiserzeit

ISBN 978-3-8288-8955-2
592 Seiten, Paperback
Tectum Verlag 2005
29,90 €
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Das Topische Modell

Details

Sigmund Freud entwickelte das Topische Modell zur Strukturierung der menschlichen Psyche. In der vorliegenden Arbeit wird dessen Struktur erstmals auf die Zeugnisse der Kulturgeschichte übertragen. Als Grundlage dienen hierzu Prozession, Krönung und Liturgie, die als Ritualfamilie auf eine gemeinsame Entstehungsgeschichte zurückgehen. Damit wird das Modell auf seine Ursprünge zurückgeführt und gibt den Sinn seiner Disposition preis: Im Zentrum steht der Konflikt zwischen Initiand und Ältesten, der durch die Konsultation von neun zentralen Instanzen der Gesellschaft stufenweise seiner Lösung entgegengeführt wird. Als mnemotechnisches Konzept hat sich dieser Weg in der Erzählung der Epen, Evangelien, Viten und Geschichtsbücher niedergeschlagen und er reicht als meist unbewußtes Ordnungsprinzip bis in die wissenschaftliche Literatur hinein, die so noch heute diesem archaischen Lösungsweg verpflichtet ist. Die Platzanlagen, Heiligtümer und Stadtpläne verweisen darauf, daß das Topische Modell auch tatsächlich im Kontext der Topographie entstanden ist. Grundrisse und Baupläne nehmen durch die Anordnung ihrer Bildprogramme und Inschriften immer wieder neu darauf Bezug. Damit steht ein Schlüssel zur Verfügung, der über Jahrtausende hinweg seine Zuverlässigkeit bewiesen hat und es ohne jede Theorie erlaubt, alle Zeugnisse der Kultur innerhalb eines gemeinsamen Bezugsrahmens zu analysieren. Die Verbindung von Außen- und Innenraum macht deutlich, daß der Mensch seine Umgebung auch analog nach der Disposition seiner Psyche gestaltet. Die gegenwärtigen Konflikte in Außen- und Innenpolitik bilden das gleiche Problem ab. Sie werden von einem Bedeutungszuwachs der alten Rituale begleitet, die uns daran erinnern mögen, daß zur Lösung von Konflikten nicht nur zwei Gegner gehören, sondern daß die Gesellschaft als Ganzes dazu beitragen muß. – Denn Ontogenese und Phylogenese gehen gemeinsam den nämlichen Weg.