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Henrike Hegner

Esskultur und Lebensstil

Medienanalyse ausgewählter Kochsendungen im Fernsehen

ISBN 978-3-8288-3563-4
137 Seiten, Paperback
Tectum Verlag 2015
24,95 €
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Esskultur und Lebensstil

Details

Der Anwalt serviert seinen Gästen Hackbraten mit Cola? Das ist unwahrscheinlich – theoretisch und empirisch. Kochen ist eine kulturelle Angelegenheit und die heimische Küche eignet sich vorzüglich, um seinen Mitmenschen zu zeigen, wo man sich in der gesellschaftlichen Hierarchie befindet.

Henrike Hegner untersucht anschaulich die Küche als gesellschaftliches Kommunikationssystem. Anhand von Klassikern der Kultur- und Sozialwissenschaften zeigt sie zunächst theoretisch, wie der Kochende durch die Nahrungszubereitung den Zuschauern seine soziale Position symbolisch demonstriert. Scharfzüngig verdeutlicht sie anschließend anhand des „Küchenproleten“ Tim Mälzer und des Vertreters der „Toskana-Fraktion“ Alfred Biolek, wie erbittert beim Kartoffelschälen und bei der Fleischwürzung gekämpft wird – denn schließlich geht es hier um nichts geringeres als soziales Ansehen und die Demonstration sozialer Ungleichheit.

»Wer glaubt, dass man alle Kochsendungen und alle Fernsehköche in einen Topf werfen kann, der irrt sich. Zwischen ihnen gibt es gewaltige Unterschiede, die viele Zuschauer zwar fühlen, aber nicht formulieren oder gar erklären können.
Die Vorliebe für den Koch wird vielleicht damit begründet, dass man den einen sympathisch findet, den anderen für unkonventionell hält oder lieber dem dritten zuschaut, weil der eine schönere Küche oder die netteren Gäste hat.
Wie auch immer: Geschmack ist nicht nur in der Küche entscheidend, auch beim Fernsehen. Und wie das genau zusammenhängt, untersucht Henrike Hegner in ihrer Arbeit „Esskultur & Lebensstil“ und die Soziologin in mir freut sich mal wieder so richtig!
Wer jemals Alfred Biolek in seiner Sendung „alfredissimo“ (Westdeutscher Rundfunk, 1994 bis 2006) gesehen hat, wird sich an viele „Aaahhhs“ und „Ooooohhhs“ und an viel Wein erinnern. Ganz anders erinnern wir uns an „Schmeckt nicht, gibt’s nicht“ mit Tim Mälzer (VOX, 2004 bis 2006), bei der wir uns wunderten, wie schnell und einfach ein wirklich leckeres Essen auf den Tisch kommen kann.
Und genau das ist es: Henrike Hegner vergleicht diese beiden Kochsendungen unter der Fragestellung, wer was wie wann wo zubereitet und isst und greift dabei auf Arbeiten und Theorien verschiedener Soziologen wie Tolksdorf, Becker, Flick, Barlösius und natürlich Bourdieu zurück. Sie analysiert die beiden Sendungen vom Vorspann über das Kochen an sich und die währenddessen geführten Gespräche bis zum Kochergebnis. Sie vergleicht die Küchen, die verwendeten Lebensmittel, die Sprache der Köche, eben alles, was so typisch für jede dieser Sendungen ist.
Dem Wissenschaftler kann ich dieses klar strukturierte, gut aufgebaute Buch mit seinen schlüssigen Argumentationen nur ans Herz legen. Ich halte die Untersuchung für eine sehr gute soziologische Arbeit, an der mich insbesondere der klare Sprachstil begeistert hat. Die Autorin kommt ohne die im Genre oft zu findenden Wieder- und Wiederholungen aus, Zusammenfassungen tauchen lediglich reduziert und an ausgewiesenen Stellen auf, jedes Kapitel ist sprachlich und inhaltlich auf den Punkt gebracht. Auch gefreut hat mich, dass Quellenangaben im Text und nicht als Fußnoten eingefügt wurden, so wird der Lesefluss nicht unterbrochen, man verpasst trotzdem nichts, das Auge kann bei Nichtinteresse ganz leicht die Autoren, Jahres- und Seitenzahlen überspringen.
Und weil dieses Buch so klar aufgebaut ist und nicht vor Fachbegriffen strotzt (doch, doch, es sind welche drin, sonst wärs ja kein Fachbuch) lege ich es auch jedem Nicht-Soziologen ans Herz bzw. an den Kopf und den Bauch. Denn darum geht es ja: Wir betrachten zwei Köche, wie sie auf unterschiedliche Weise aus etwas Rohem etwas Gegartes machen. Welche Rollen da „ein richtig schönes Stück Fleisch vom Metzger meines Vertrauens“, das Würzen und Abschmecken mit Kräutern oder das Aufräumen der Küche spielen, wird den Leser vielleicht überraschen. Oder auch nicht. Denn das hat etwas mit Geschmack zu tun. Und wo der Geschmack herkommt, erfährt man auch noch!
Mein uneingeschränktes Lob für eine hervorragende wissenschaftliche Arbeit, die nicht nur die Aspekte des Kochens als kulturelle Angelegenheit darstellt und analysiert, sondern auch unterhaltsam und verständlich formuliert! Sehr gut!!«
Asphaltspuren – Projekt zur Förderung junger Kultur