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Sabine Manke
Brandt anfeuern
Das Misstrauensvotum 1972 in Bürgerbriefen an den Bundeskanzler. Ein kulturwissenschaftlicher Beitrag zu modernen Resonanz- und Korrespondenzphänomenen Schriftenreihe der Marburger Arbeitsgruppe für Tiefenhermeneutik und Kulturanalyse, Band 2
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Es geht um wenige Stunden und Tage deutscher Zeitgeschichte – das Misstrauensvotum 1972. Briefe, Postkarten und Telegramme aus der Bevölkerung an den damaligen Bundeskanzler Willy Brandt bieten eine dichte Momentaufnahme des 27. April 1972 und erhellen doch wesentlich mehr als diesen einen Augenblick in der Geschichte der Bundesrepublik. Sie zeigen, wie sich die deutsche Nachkriegsgesellschaft im Angesicht ihrer katastrophischen Vergangenheit als eine neue hervorzubringen versucht.
Was als politischer Disput über die Ostverträge daherkommt, wird in den Briefen als gesellschaftsumfassende kulturelle Szene lesbar. In ihrem Zentrum: die Figur Willy Brandts. Vor allem die feuerbezogenen Assoziationen, die sein selbstgewählter Nachname auslöst, schaffen eine Bühne, auf der gesellschaftlich Abgedrängtes zur Aufführung kommen kann. Danach ist nichts mehr, wie es war?
»Das Symbol? Eine große holokaustische Feuersbrunst, letztlich ein All-Brand, in den wir, zusammen mit unserem ganzen Gedächtnis, unsere Namen, die Briefe, die Photos, die kleinen Gegenstände, die Schlüssel, die Fetische, etc. hineinwerfen würden.« Jacques Derrida: Feuer und Asche |
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| „Mit ihrer tiefenhermeneutischen Analyse der Bürgerbriefe an Willy Brandt lädt Sabine Manke zu einer neuen Lesart historischer Zeugnisse ein: Sie zielt durch die manifesten Inhalte des Erzählten hindurch auf Botschaften und Sinn, die vielen Akteuren selbst kaum bewusst waren. Die Lektüre von Mankes Reise in das Untergründige – möglicherweise ja auch zu definieren als Teil einer, von der Autorin selbst nicht so eingeordneten, politischen Kulturforschung – bereitet Vergnügen, denn sie bietet viele Anregungen für das Verständnis sowohl der betreffenden historischen Akteure als auch des Briefes als einem populären politischen Medium. Was ihre besondere Herangehensweise betrifft, so zeigt sich Manke als beeindruckende Könnerin psychoanalytisch inspirierter Kulturwissenschaft. […] Während Petitionen und Suppliken für die Vormoderne und Moderne als wichtige Ausdrucksformen breiter politischer Mitbestimmung bereits intensiv erforscht worden sind, sind Bürgerbriefe als Medium politischer Kultur des 20. Jahrhunderts bislang kaum untersucht. Harm Peer Zimmermann hat als einer der ersten auf die besondere Bedeutung von Bürgerbriefen als wichtigen politischen Instrumenten hingewiesen. Neben seinen Beiträgen zählt nun auch Mankes Dissertation zu den anregenden Pionierstudien auf diesem Gebiet.“ |
| Michaela Fenske, kulturen - kulturwissenschaftliche Zeitschrift für Niedersachsen und darüber hinaus, 1/2011 |
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