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Petra Naumann
Volkskultur – das Andere im Eigenen
Entwürfe ländlicher Kultur um 1900 Schriftenreihe der Marburger Arbeitsgruppe für Tiefenhermeneutik und Kulturanalyse, Band 3
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Vorstellungen vom Volksleben haben Hochkonjunktur in der bürgerlichen Bild- und Textproduktion um 1900. Petra Naumann untersucht diese Hinwendung zur Volkskultur im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert und stellt die Frage, in welcher Weise sie als mehr oder wenigerbewusste Reaktionen auf Modernisierungserfahrungen verstanden werden können. Das Material für ihre Szenen-Analyse liefern Landleben-Bilder, Bildpostkarten, Schulbuchillustrationen und volkskundliche Texte.
Mit Hilfe einer symboltheoretisch wie psychoanalytisch informierten Kulturanalyse demonstriert die Autorin, dass die bewusste Distanzierung zu technischen und zivilisatorischen Errungenschaften, welche diese Bilder auf den ersten Blick charakterisiert, nur eine kulturelle Oberfläche bildet. In sensiblen Auseinandersetzungen mit dem Material kann sie zeigen, dass darin zwar existenzvergewissernde zugleich aber auch modernisierungsfreudige kulturelle Praxen geborgen sind.
Damit geht Naumann einen entscheidenden Schritt weiter als einsinnige ideologiekritische und diskursanalytische Lesarten dieser Bilder und Texte, welche diese als konservative, eskapistische oder kompensatorische Formen ansprechen wollen. Es eröffnen sich völlig neue Perspektiven für die Erforschung westlicher Modernisierungsprozesse, insbesondere auch auf die trügerische Vorstellung von einem linearen Fortschrittsprozess in der Moderne. |
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